Verein
Die Geschichte des Familiengartenvereins Bruderholz

Margarethen-Kirche
Wer von der Passerelle im Bahnhof Basel den Hinterausgang nimmt und
dann rechts in Richtung St. Margrethen-Strasse und von dort dem Park entlang
das St. Margrethen-Kirchlein mit dem Bauernhof anstrebt, gelangt zu einem
der schönsten Aussichtspunkte mit Blick auf Basel und das Dreiländereck.
Das Kirchlein selbst ist ein Besuch wert, handelt es sich doch um eine
der seltenen «Winkelhaken-» oder L-Kirchen der Schweiz, wo die Kanzel eben im Winkel
zu den beiden Kirchenschiffen steht. Wandert man weiter, so gelangt man auf dem
Höhenzug des Bruderholz zur Sternwarte und der Wettermessstation, wo im Sommer 2011 die rekordverdächtigen 35,7 ° Celsius Basels
gemessen wurden. Effektiv aber ist die Temperatur auf der Binninger Seite des Bruderholz gemessen worden!
Und dann gelangt man zum gleichnamigen äusserst sonnig gelegenen Garten, der heuer sein 50-Jahr-Jubiläum feiern kann.
Im Garten arbeiten über 60 Gärtnerinnen und Gärtner samt Familien; der Garten ist an sonnigen Abenden
und Wochenenden ein Treffpunkt für die Familie, denn hier oben herrscht dank Landwirtschaft, dem Sonnenbad
und weiteren Gärten viel Ruhe und man geniesst einen schönen Blick auf Binningen und Richtung
Flughafen oder auf die Stadt Basel.

Wie Vizepräsidentin Erika Lack in ihrer Zusammenstellung der Gartengeschichte erwähnt, haben noch vor den
Kriegsjahren ein paar Pächter in den Bachmatten Gemüse für ihre Familien gepflanzt. Doch dann teilte die
Gemeinde Binningen im Kriegsjahr 1941 diesen Gärtnern das jetzige Areal zu; dies nach Abkauf des Ackers
von zwei Bauern. Da in Zusammenhang mit dem «Plan Wahlen» der Bund das Anpflanzen von Kartoffeln und
Gemüse obligatorisch erklärte, erstellte die Gemeinde 35 Parzellen à zwei Aren. Die Pächter mussten
10 Franken Pacht und Fr. 2.50 Wasserzins der Gemeinde bezahlen.
Mit bescheidenen Mitteln wurde das Land für den Gartenbau urbar gemacht, Wasserleitungen gezogen
und riesige Torf-Ballen in den Boden verarbeitet. In den Jahren von 1955 bis 1958 wurden die ersten
kleinen Holzhäuser erbaut; für die Gartenwege wurden gemeinsam Betonplatten gegossen.
Laut einem Protokoll vom Frühjahr 1959 wollten sich die Gemeindebehörden nicht mehr um jeden Gärtner und seine Probleme
kümmern. Am Bettag um 10 Uhr (!), trafen sich die amtierenden Gemeinderäte mit Fritz Handschin in den Gärten. Sie
beschlossen, im kommenden Jahr den Pflanzlandpächterverein ins Leben zu rufen. Die ersten Statuten wurden
von der Stadtgärtnerei Basel (also über die Kantonsgrenze hinweg!) angefordert. Den fünf Gärtnern, die dem Verein
nicht beitreten wollten, wurde gekündigt.
Herr Handschin musste das Präsidium übernehmen. Im Jahre 1960 fiel der Startschuss für
den Pflanzlandpächterverein Binningen-Bruderholz. Noch im selben Herbst wurde von der Gemeinde an das
bestehende Depot das erste WC mit Wasserspülung angebaut. Der Stolz war gross, besass doch nicht jedes Areal eigene
Wasserleitungen. In den Anfängen haben die Arbeiter der Gemeinde Binningen die Instandstellungsarbeiten
ausgeführt; heute leisten die Gärtner dafür Frondienst. Zudem erhielt der Garten jährlich 300 Franken aus der Gemeindekasse.

Um 1965 wurden in einer Metallform Brunnentröge aus Zement gegossen, teils mit
verschiedenen Wappen versehen. Im Jahre 1970 wurde das heutige Clubhaus
samt Beizli erstellt. Die Dachkänel stammten vom damaligen Bauernhaus an der
Bruderholzstrasse. Der Brunnen trägt das Baujahr 1970. Heute wird an diesem Platz das
jährliche Gartenzmorge offeriert und im August gibt es ein Sommerfest und
das Blumenbinden für das Altersheim. 1977 wurde die Querverbindung zu den
zwei Hauptwegen durch die Pächter gebaut. Die Ausgaben für Stellriemen
und die neue Umzäunung beliefen sich auf 936 Franken sowie einer Verpflegung für die Helfer.
Heute noch trägt die Querverbindung den Namen Didiwägli. Die Hauptwege unseres Areals
wurden durch die Gemeinde verbreitert und geteert.
1979, an der 30. Schweizerischen Delegiertenversammlung in Kriens, haben sich die FGV Spiez
und Binningen kennen gelernt. Daraus entwickelte sich eine über ein paar Jahre andauernde Freundschaft.
Natürlich war die «Grün 80» ein grosses Thema. Ein Jahr zuvor wurden auf dem Gelände sieben Gärten
samt Häuschen erstellt und hergerichtet. Der Schweizerische Familiengärtner-Verband wollte den
Besuchern das Arbeiten und die Freizeitgestaltung in einem Familiengarten fern der eigenen
Wohnung aufzeigen. Dank Mithilfe der umliegenden Vereine konnten die Kosten tief gehalten werden.
Das Areal Bruderholz beteiligte sich mit 29 Pächtern und Pächterinnen an dieser anspruchsvollen Aufgabe,
mussten doch die Gärten über die ganze Ausstellungsdauer gepflegt und den Interessenten entsprechende
Fragen richtig beantwortet werden. Dabei erhielten die Bruderhölzler sogar Besuch von Wiener Familiengärtnern.

Im Jahre 1983 feierte Binningen 150 Jahre Kanton Baselland mit einem Dorffest. Der Verein
hat sich am Umzug mit fünf dekorierten Leiterwagen samt Familien und Kindern
vorgestellt, andere Mitglieder trugen im Umzug alte Gartengeräte mit. Es halfen so viele Freiwillige,
dass der Verein auf dem Schlossplatz eine Wirtschaft mit 50 Sitzplätzen einrichten
und betreiben konnte.
1983 kaufte der Verein die ersten Stangen für eine Überdachung des Rasens bei Anlässen;
heute sichert die sog. Cottier-Stube (ein Festzelt) Anlässe bei Regenwetter.
1985 wurde das 25-jährige Bestehen während zwei Tagen gefeiert; es wurde getanzt und gegrillt.
Der Garten erhielt Besuch von verschiedenen Ehrengästen und Vereinen, darunter auch des FGV Spiez.
An der kommenden GV werden die Mitglieder das 50-jährige Bestehen gebührend feiern und die erlebten Jahre Revue passieren
lassen, erklärt Präsident Raymond Monney.
In den letzten 50 Jahren haben Hunderte von Händen mitgeholfen, dieses schöne Stück Land
zu hegen und zu pflegen. «Leider haben wir wie jeder andere Gartenverein zu kämpfen mit der Vergabe
freigewordener Parzellen; es fehlt an Freiwilligen, die dem Vorstand beim Frondienst
unter die Arme greifen, für die Feste und andern anfallenden Arbeiten», berichtet Erika Lack in ihrer
Zusammenfassung. «Damit wir unsere Gärten mit Freude Besuchern zeigen können, muss halt an
vier oder fünf Samstagen pro Jahr ein Verschönerungsteam an die Arbeit.
In Binningen konnte 1968 ein zweites Areal geschaffen werden.
Dieses befindet sich auf dem gegenüberliegenden Hügel und heisst Paradies. Mit den dortigen Vereinsmitgliedern wird ein
freundschaftliches Verhältnis gepflegt.
«Wir haben 63 Gärten und jeder wird auf seine Art mit viel Liebe gepflegt. Die 63 Pächterinnen und Pächter
wohnen in Binningen oder in den umliegenden Gemeinden der Region. Davon acht Familien aus
der nahen Stadt Basel. Gesamthaft gesehen pflanzt eine Gemeinschaft aus vielen Ländern friedlich auf
dem Bruderholz.
Bedenken wir nur, dass Gartenarbeiten auch Turnstunden ersetzen und das Seelenleben im Gleichklang halten.
Durch das Werkeln können auch Spitalbetten leer gelassen werden, stellt Erika Lack weiter fest.
Nun, man kann nur hoffen, dass dieses Areal erhalten bleiben wird; der Druck der Bau- und
Strassenlobby ist sehr stark, um hier oben teure Wohnungen bauen zu lassen.
Würde das Areal überbaut, dann würde auch der restliche Teil dieser Grünzone wohl kaum vor der
Verbetonierung bewahrt werden können.
